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Attila’s steiler Weg nach oben: Aus der starken Höhenangst auf den Gipfel des Vorder Glärnisch

  • vor 10 Stunden
  • 5 Min. Lesezeit

Die Entwicklung von Attila Balas (59) ist eine wahre Erfolgsgeschichte. Über Jahre hatte Attila unter starker Höhenangst gelitten. Im letzten Herbst 2025 hat er dann bei Höhencoach ein Höhenangst-Training auf dem Grossen Mythen besucht und es im zweiten Anlauf bis auf den Gipfel geschafft. Motiviert durch dieses Erfolgserlebnis, hat Attila bereits ein halbes Jahr später das Höhenangst-Training für Fortgeschrittene besucht, welches Höhencoach gemeinsam mit der Alpinschule Glarnerland veranstaltet hat. Gleich im ersten Anlauf hat es Attila auf dem blau-weiss markierten und sehr steilen Alpinwanderweg bis auf den Gipfel des Vorder Glärnisch geschafft. Im Interview mit Höhencoach erzählt Attila, wie er seine Höhenangst in so kurzer Zeit fast vollständig verlernen konnte.

 

Höhencoach: Lieber Attila, haben wir richtig gelesen, du warst kürzlich während zwei Tagen ganz allein vom Brünigpass über den langen und stark abschüssigen Grat auf das Brienzer Rothorn gewandert?


Attila: Ja, das war so eine Art «Endgegner» von mir. Die Wanderung auf das Brienzer Rothorn, die ich vor drei Jahren beim Höch Gumme wegen Höhenangst abbrechen musste, war der Auslöser, weshalb ich mich bei Höhencoach gemeldet habe. Plötzlich, wie aus dem Nichts, ein atemberaubender Ausblick auf den Brienzersee und gleichzeitig das Gefühl, dass es mich nach unten zieht. Dieses Gefühl hatte mich damals total blockiert. Nach dem Höhenangst-Training wollte ich wissen, ob ich diese Wanderung jetzt meistern kann. Es gab schon exponierte Stellen, an denen ich mich stark fokussieren musste. Aber an der Stelle, wo ich damals umgekehrt bin, sah ich gar keine Gefahr mehr.


Höhencoach: Unglaublich, du beeindruckst uns jedes Mal von neuem! Woher kommt diese unbändige Motivation?


Attila: Ich gehe jetzt auf die 60 zu und möchte mich möglichst lange fit halten. Bisher konnte ich mich aus beruflichen und privaten Gründen nicht so viel in den Bergen bewegen. In einem Jahr möchte ich mein Pensum reduzieren und mich vermehrt meiner Wanderlust widmen. Die Bewegung in Verbindung mit der Aussicht motiviert mich enorm. Ich versuche, soweit es möglich ist, auf Bergbahnen zu verzichten und die Höhenmeter aus eigener Kraft zu bewältigen.


Höhencoach: Im letzten Herbst warst du ja noch unsicher, ob du es überhaupt jemals auf den Grossen Mythen schaffen würdest. Inzwischen wanderst du auf blau-weissen Alpinwanderwegen. Wie erklärst du dir diese rasante Entwicklung?


Attila: Unsicher? (Attila lacht) Ich war ziemlich sicher, dass ich es bestimmt nicht nach oben schaffen würde. Ich hatte mir maximal zwei Kurven zugetraut. Während dem Höhenangst-Training war ich dann selbst überrascht, wie problemlos ich Kurve für Kurve weiter nach oben gestiegen bin. Die Methoden, die wir gelernt hatten, haben mir dabei sehr geholfen. Insbesondere ein Satz hallt bei mir immer noch nach: «Fokussiere dich nicht auf das, was dir Angst macht, sondern auf das, was dir Sicherheit gibt.»

 

Höhencoach: Besonders beeindruckt hat uns ja, dass du in unserem Höhenangst-Training für Fortgeschrittene auf den Gipfel des Vorder Glärnisch, immerhin im Schwierigkeitsgrad T4 bis T5, von aussen betrachtet kaum Mühe bekundet hattest. Dabei war dies doch deine erste richtige Alpinwanderung, nicht?


Attila: Ja, das stimmt. Damals, nach dem ersten Höhenangst-Training, war ich noch einmal, aber diesmal ganz alleine auf den Grossen Mythen gewandert. Ich wollte wissen, ob ich es auch ohne fremde Hilfe schaffe. Es hatte sogar noch besser geklappt, als beim ersten Mal und mir bestätigt, dass das Gelernte wirklich funktioniert. An dieses Erlebnis erinnerte ich mich, als wir auf den Vorder Glärnisch gewandert sind. Zudem hatte ich vor dem Höhenangst-Training allen davon erzählt, damit ich keinen Rückzieher mehr machen kann.



Höhencoach: Jetzt fragen wir uns natürlich, wohin deine Entwicklung noch führen wird? Du scheinst die Berge ja richtig neu für dich entdeckt zu haben.


Attila: Mein Ziel ist es sicher nicht, einen Rekord nach dem anderen zu brechen. Ich will auch nicht wegen Übermut in die Schlagzeilen kommen (Attila lacht). Ich möchte es nicht übertreiben, sondern einfach anspruchsvolle Wanderungen im Schwierigkeitsgrad T3 unternehmen können. In diesem Bereich gibt es für mich unendlich viele Wege zu entdecken.


Höhencoach: Hättest du dir diese Entwicklung noch vor einem Jahr je vorstellen können?


Attila: Nein, auf keinen Fall. Ich konnte nicht einmal auf den Liestaler Aussichtsturm steigen. Nach dem dritten von sechs Stockwerken war Schluss.


Höhencoach: Nach dem Höhenangst-Training auf dem Vorder Glärnisch habt ihr unter den Teilnehmenden einen eigenen Whatsapp-Chat gestartet, um euch mit weiteren Erfolgserlebnissen gegenseitig zu motivieren, dranzubleiben. Hilft dir das persönlich, wenn du siehst, was die anderen Teilnehmenden auch geschafft haben?


Attila: Das war eine super Truppe. Ich habe dort ganz tolle Menschen kennengelernt. Vielleicht werde ich sie im Leben nie mehr persönlich antreffen. Es ist aber schön zu sehen, wie sie sich entwickeln und wie viel Lebensfreude so ein Höhenangst-Training ermöglichen kann.


Höhencoach: Eine besondere Angewohnheit von dir ist ja, dass du auf jedem Gipfel, den du erreicht hast, auf deiner Mundharmonika spielst. Damit hast du dich nachhaltig in die Herzen der übrigen Teilnehmenden gespielt. Welche Bedeutung hat das Mundharmonika-Spielen für dich?


Attila: Mundharmonika ist mein Hobby. Da ich meistens eine dabeihabe, um meine Freude auszudrücken, habe ich auf dem Grossen Mythen damit angefangen und möchte es als Tradition weiterführen. Abgesehen davon ist es auch leichter, eine Mundharmonika auf den Gipfel zu tragen, als ein Alphorn. Übrigens: Auf dem Brienzer Rothorn war die grösste Herausforderung nicht, mit den exponierten Stellen klarzukommen, sondern vor so vielen Leuten zu spielen.




Attila's Mundharmonikaspiel auf dem Vorder Glärnisch


Höhencoach: (Höhencoach lacht) Das ist definitiv ein gutes Zeichen. Überhaupt bist du ja auch eine sehr neugierige Persönlichkeit. Wir erinnern uns noch gut, als du im ersten Höhenangst-Training zur Überraschung von allen Teilnehmenden deine 3-D-Brille ausgepackt hattest und virtuell über die Hochhäuser von Manhatten balanciert warst, um dich deiner Höhenangst zu stellen. Brauchst du diese virtuellen Hilfen heute überhaupt noch?


Attila: Es gibt zwei erwähnenswerte Apps. In der einen fährt man mit dem Lift virtuell in den 40. Stock und muss dann auf einer schmalen Holzplatte über die luftigen Dächer von Manhatten balancieren. Obwohl ich wusste, dass ich in Wirklichkeit zuhause im Wohnzimmer bin, musste ich mich vor der Anwendung auf einen Stuhl setzen und konnte dann nur vorsichtig nach unten schauen. Mittlerweile kann ich ohne Probleme über die Holzplatten rausspazieren. Die zweite App, die ich vor allem empfehlen kann, wurde von ZeroPhobia in Zusammenarbeit mit einer holländischen Universität entwickelt und heisst «Fear of Heights». Hier gibt es vorab einen Theorieteil und danach immer anspruchsvollere Übungen. Mittlerweile benutze ich die Apps aber nicht mehr.


Höhencoach: Danke für diese Tipps. Zum Schluss würde uns natürlich interessieren, was du anderen Betroffenen als Empfehlung auf den Weg geben möchtest, damit diese ihre Höhenangst ebenfalls so erfolgreich verlernen können, wie du es geschafft hast?


Attila: Zuerst braucht es eine enorme Überwindung und danach erfüllt es einem mit enormem Stolz. Es ist weniger der Stolz, den Gipfel erreicht zu haben, sondern vielmehr, sich der Herausforderung gestellt zu haben. Drei Empfehlungen möchte ich Betroffenen mit auf den Weg geben: Erstens, es ist wie mit dem Abnehmen oder dem Aufhören zu Rauchen: Man muss an der Situation wirklich etwas ändern wollen. Zweitens, nicht zu lange überlegen, sondern sich einfach für ein Höhenangst-Training anmelden und es dann allen Freunden erzählen. So wird es schwieriger, einen Rückzieher zu machen. Drittens, höre nicht auf deine innere Stimme, welche dir dauernd die schlimmsten Szenarien erzählen will. Es ist wie im Verkehr, man läuft auch nicht einfach auf die Strasse.

 

(Dieses Interview wurde am 03.09.2026 schriftlich geführt)



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Hier findest du noch die von Attila erwähnte App «Fear of Heights»



Copyright: Höhencoach, Inhaber David Elsasser, 8840 Einsiedeln, Schweiz




 

 






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